Keine Frage, der Mann ist genervt. Der Geigen-Bogen zischt durch die Luft wie ein Säbelschlag. Wieder und wieder hallt der Schlußtakt der berühmten E-Dur Partita für Solovioline durch den leeren Kirchenraum. Gidon Kremer hat sich für einige Tage in die Barockkirche von Lockenhaus im österreichischen Burgenland eingeschlossen, um die drei Solopartiten von Johann Sebastian Bach aufzunehmen. Es soll seine letzte Begegnung mit diesem Meilenstein der Violinenliteratur werden.
Der Film begleitet den berühmten Violinenvirtuosen eine Woche lang, bei den Proben, Aufnahmen und Diskussionen mit einigen wenigen Vertrauten. Für ihn, den in Lettland geborenen, eine wichtige Zeit: "Bach begleitet einen das ganze Leben" sagt Gidon Kremer und erinnert sich an seine ersten Auftritte mit Bach. Gidon Kremer ist einer der eigenwilligsten Künstlerpersönlichkeiten und das nicht erst heute. Bereits als 12 Jähriger wurde ihm ein zu eigenwilliger Umgang mit den Solopartiten bescheinigt: bei einer Prüfung bekommt das Geigenwunderkind wiedererwartend keine Eins, zu unkonventionell sei seine Interpretation von Bach.
Gidon Kremer geht es nicht nur um die wahre, authentische Interpretation von Bach, es geht vielmehr um eine persönliche Aussage. Und so fällt sein Resumee nach über fünfzig Stunden Aufnahme eher ernüchternd aus: "Es gibt so viele Wege Bach zu spielen und meiner ist nur einer der vielen möglichen. Es werden Generationen von Interpreten kommen und gehen, doch die Musik von Bach wird bleiben. Und es wird immer ein Rätsel sein, wie man es aufführen soll."
Der Film "Gidon Kremer - Zurück zu Bach" begleitet sehr persönlich die Suche nach einer Antwort auf diese Frage und beschreibt, dass sich in der Auseinandersetzung mit Bach die wichtigsten künstlerischen und menschlichen Lebenslinien Gidon Kremers offenbaren.
- Sender: rbb/arte
- Länge: 52 Minuten, Digi Beta 16:9 (stereo)
- Erstsendung: 23.06.2007, arte
- Produktion: finkernagel & lück medienproduktion GbR / EuroArts Music International GmbH / Gidon Kremer
- Regie: Daniel Finkernagel & Alexander Lück
- Kamera: Boris Fromageot
- Schnitt: Uli Peschke